Tales of Mystery and Imagination

einhorn

Oh! Schöne neue Welt, die solche Institutionen in ihr hat …

Ah, die Eingliederungshilfe! Welch wunderbare Einrichtung, wurde sie doch dafür geschaffen, Menschen, die von Unbill geschlagen, die Härten des Daseins auskosten müssen, einen Ausgleich zu schaffen, Nachteile aus dem Weg zu räumen, das Ferne, Unmögliche, zu Nahem, Greifbarem werden zu lassen.

(Hier nun gehen wir zum Schrank, greifen zum alten Vinyl und legen eine Platte auf, Louis Armstrong, „It’s a wonderful worldl“. Nein bitte kein Media Player, kein Handy, kein irgendwasPod, nicht mal Radio. Lagerfeuer gehört dazu, dem elektronisch-digitalen-Hack sei für einen Moment der Rücken gekehrt. Von links treten drei goldbelockte Englein auf und summen mit.)

Was für eine wundervolle Welt, die solche Institutionen kennt, eine Welt der Gedanken an pinkfarbene Einhörner, der Männer, die sich die Hände nach dem Pinkeln waschen, eine Welt der Perpetuum Mobile, die keine Umweltverschmutzung kennt.

(Verträumt haben wir mittlerweile die Platte gewechselt, John Lennon ergreift uns mit Imagine.)

Eine Welt in der John Lennon kein sexisches Aschloch war.

Das Bild wechselt, ein Jahr zurück, ich stelle einen Antrag auf Eingliederungshilfe. Ein Fahrzeug, das es mir ermöglicht, selbst zu fahren. (FYI: ich bin recht hoch querschnittsgelähmt, und, wie unverschämt, möchte trotz meiner 54 Jahre studieren).

Enter: Eingliederungshilfe.

Die Idee hinter diesem Amt: Eine Stelle zu haben, die Aufwendungen koordiniert, Menschen mit Beeinträchtigungen aller Art den Zugang zum „normalen“ Leben, eine Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Kurz: Nachteilsausgleich.

(Im Hintergrund muht das unsichtbare pinkfarbene Einhorn. Und bitte keine Einwendungen, bei einem unsichtbaren mythologischen Tier bleibt es einem selbst überlassen was es für Geräusche von sich gibt. Also: Einfach mal die Klappe halten!)

Nun, 13 Monate später, nachdem der Bedarf geklärt ist, im Sinne von: Ja, Herr Hamm, die Situation mit Bus und Bahn ist unzumutbar, sie brauchen etwas anderes, werde ich abgespeist mit freien Fahrdienstfahrten. Nichts gegen meinen Fahrdienst. Dort reißt man sich die Beine aus um mir Fahrten zu ermöglichen. Allzu oft ist dies aber nicht möglich, aus verschiedenen Gründen, ich erreiche niemanden, es sind keine Fahrer frei, etc.

Anrufen, auf Rückruf warten, und dann davon abhängig sein, ob zufälligerweise möglich ist, was notwendig ist, hat nichts mit selbstbestimmter Lebensführung zu tun. Dies ist aber genau, was die Eingliederungshilfe ermöglichen soll. Fun fact: Die Bundesregierung hat die Behindertenrechtskonvention mit unterzeichnet, die exakt solche Dinge vorsieht.

Ganz besonderen Hautgout hat aber, dass diese Stelle schon vor der Prüfung, ob überhaupt ein Bedarf bestand, Anweisung herausgegeben hat an bestimmte Ämter, Gründe zu finden, mir diese Unterstützung abzulehnen.

Es wurden schon aus geringeren Anlässen Kriege geführt.

Hony soit qui mal y pense ist schon an der ersten Station ausgestaltet stiegen, wer so mit Lug und Trug arbeitet, verdient es von mir abgestraft zu werden.